Verkehr und Sicherheit

Winterreifenpflicht in Deutschland: Sie gilt bei Glätte und Schnee, nicht nach Datum

Winterreifenpflicht nach § 2 Abs. 3a StVO: gilt bei Glatteis, Schneeglätte und Matsch, nicht an Stichtagen. Alpine-Symbol, Ausnahmen, Bußgeld 60 bis 80 Euro.

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Die Winterreifenpflicht in Deutschland hängt nicht vom Datum ab, sondern vom Wetter: § 2 Abs. 3a StVO erlaubt das Fahren bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eisglätte oder Reifglätte nur mit Reifen, die § 36 Abs. 4 StVZO erfüllen. Wer bei solcher Glätte ohne sie fährt, zahlt nach dem Bußgeldkatalog 60 Euro und bekommt einen Punkt in Flensburg. Hier steht, was der Wortlaut verlangt, welche Reifen zählen, wer ausgenommen ist und was ein Verstoß kostet.

Was § 2 Abs. 3a StVO sagt

Der Satz 1 lautet: „Der Führer eines Kraftfahrzeuges darf dies bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eisglätte oder Reifglätte nur fahren, wenn alle Räder mit Reifen ausgerüstet sind, die unbeschadet der allgemeinen Anforderungen an die Bereifung den Anforderungen des § 36 Absatz 4 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung genügen.“

Drei Dinge folgen aus dem Wortlaut:

  • Die Wetterlage entscheidet. Die Pflicht gilt für das Führen eines Kraftfahrzeugs bei einer dieser Lagen. Ein Datum nennt die Norm nicht, auch die Faustregel „von Oktober bis Ostern“ steht nicht darin.
  • Alle Räder. Es genügt nicht, nur die Antriebsachse auszurüsten.
  • Der Fahrer ist gemeint. Verstöße gegen § 2 Absatz 3a sind nach § 49 Abs. 1 Nr. 2 StVO Ordnungswidrigkeiten. Für den Halter, der eine solche Fahrt anordnet oder zulässt, hat der Bußgeldkatalog eine eigene Nummer.

Welche Reifen erfüllen § 36 Abs. 4 StVZO?

§ 36 Abs. 4 StVZO nennt zwei Merkmale, die beide zutreffen müssen. Erstens verbessern Laufflächenprofil, Mischung oder Bauart vor allem die Fahreigenschaften bei Schnee gegenüber normalen Reifen, beim Anfahren, bei der Stabilisierung und beim Bremsen. Zweitens trägt der Reifen das Alpine-Symbol, das Bergpiktogramm mit Schneeflocke, nach der UNECE-Regelung Nr. 117.

Ob ein Reifen „Winterreifen“ oder „Ganzjahresreifen“ heißt, sagt die Norm nicht; sie spricht von Reifen für winterliche Wetterverhältnisse. Das Kürzel M+S nennt Absatz 4 nicht. Die allgemeine Profilvorschrift in Absatz 3 gilt zusätzlich: Beim Auto muss das Hauptprofil am ganzen Umfang mindestens 1,6 mm tief sein. Eine eigene Mindesttiefe für Winterreifen steht in § 36 nicht.

Wer ist ausgenommen?

Satz 1 gilt nach § 2 Abs. 3a nicht für:

  • Nutzfahrzeuge der Land- und Forstwirtschaft,
  • einspurige Kraftfahrzeuge, etwa Motorräder,
  • Stapler und motorisierte Krankenfahrstühle,
  • Einsatzfahrzeuge der in § 35 Absatz 1 genannten Organisationen, soweit für sie bauartbedingt keine passenden Reifen verfügbar sind,
  • Spezialfahrzeuge, für die bauartbedingt keine Reifen der Kategorien C1, C2 oder C3 verfügbar sind.

Kraftfahrzeuge der Klassen M2, M3, N2 und N3 dürfen bei solchem Wetter auch fahren, wenn mindestens die Räder der permanent angetriebenen Achsen und der vorderen Lenkachsen Reifen nach § 36 Abs. 4 tragen. Die Klassen definiert Artikel 4 der EU-Verordnung 2018/858: M2 und M3 sind Kraftfahrzeuge mit mehr als acht Sitzplätzen zusätzlich zum Fahrersitz (M2 mit höchstens 5 Tonnen Gesamtmasse, M3 darüber), N2 und N3 Kraftfahrzeuge für die Güterbeförderung mit einer zulässigen Gesamtmasse über 3,5 bis 12 Tonnen (N2) oder über 12 Tonnen (N3). Darf ein Kraftfahrzeug ohne solche Reifen fahren, muss der Fahrer vor jeder Fahrt prüfen, ob sie erforderlich ist, weil das Ziel mit anderen Verkehrsmitteln nicht erreichbar ist. Während der Fahrt hält er zum Vordermann einen Abstand in Metern von mindestens der Hälfte des Tachowerts in km/h ein, bei 50 km/h also 25 Meter, und fährt nicht schneller als 50 km/h, wenn nicht eine geringere Geschwindigkeit geboten ist.

Bußgeld und Punkte

Der Bußgeldkatalog (Stand 12. August 2026) nennt für diese Fälle:

VerstoßRegelsatzPunkte
Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte ohne passende Bereifung gefahren (Nr. 5a)60 Euro1
dabei einen anderen behindert (Nr. 5a.1)80 Euro1
Halter ordnet die Fahrt an oder lässt sie zu (Nr. 213a)75 Euro1
Reifen ohne ausreichende Profiltiefe, Kraftfahrzeug außer Mofa (Nr. 212)60 Euro1

Die Punkte stehen in Anlage 13 der Fahrerlaubnis-Verordnung (Nr. 3.2.1 und 3.5.7). Wie die Bußgelder sonst aufgebaut sind, zeigt der Bußgeldkatalog 2026. Das ist eine Zusammenfassung, keine Rechtsberatung.

Was du vor dem Winter prüfst

Drei Punkte folgen direkt aus den Vorschriften. Alle Räder tragen das Alpine-Symbol, auch wenn die Reifen als Ganzjahresreifen verkauft wurden. Das Hauptprofil ist am ganzen Umfang mindestens 1,6 mm tief, sonst drohen 60 Euro nach Nr. 212. Und wer als Halter eine Fahrt bei solchem Wetter anordnet oder zulässt, riskiert 75 Euro nach Nr. 213a.

Was BlitzBuddy in Deutschland zeigt

§ 23 Absatz 1c StVO verbietet Fahrern, ein technisches Gerät zu betreiben oder betriebsbereit mitzuführen, das dafür bestimmt ist, Verkehrsüberwachungsmaßnahmen anzuzeigen oder zu stören. Bei anderen Geräten wie dem Handy dürfen solche Funktionen nicht verwendet werden. Die Blitzerwarnungen von BlitzBuddy darfst du als Fahrer während der Fahrt in Deutschland deshalb nicht nutzen. Unter Profil, Warnungen schaltest du sie aus; alle anderen Warnungen bleiben an. Die Verantwortung liegt beim Fahrer.

BlitzBuddy ist kostenlos, ohne Werbung und ohne Abo. Die App gibt es für das iPhone; die Android-Version folgt bald. Eine zweite Regel, die am Fahrzeug hängt, gilt in der Umweltzone in Deutschland. Wo die Autobahn GmbH Sperrungen veröffentlicht, steht im Beitrag zur Autobahn-Sperrung aktuell. Welche Höchstgeschwindigkeiten sonst gelten, zeigt der Beitrag zum Tempolimit in Deutschland. Welche Regeln in Österreich gelten, steht im Beitrag zur Winterreifenpflicht in Österreich. Alle Beiträge zum Thema findest du unter Maut, Vignette und Umweltzonen.

Quellen

Quellen gelesen am 16. Oktober 2026.

Häufige Fragen

Ab wann sind Winterreifen in Deutschland Pflicht?

Ein Datum nennt die StVO nicht. Nach § 2 Abs. 3a StVO darf bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eisglätte oder Reifglätte nur fahren, wer an allen Rädern Reifen nach § 36 Abs. 4 StVZO hat. Maßgeblich ist die Wetterlage.

Gilt eine Winterreifenpflicht von Oktober bis Ostern?

Im Gesetzestext steht sie nicht. § 2 Abs. 3a StVO knüpft die Pflicht an Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eisglätte und Reifglätte, nicht an Monate. Wer bei solchem Wetter ohne passende Reifen fährt, riskiert das Bußgeld.

Sind Ganzjahresreifen erlaubt?

Ja, wenn sie die Anforderungen des § 36 Abs. 4 StVZO erfüllen, also Schnee-Eigenschaften haben und das Alpine-Symbol (Bergpiktogramm mit Schneeflocke) tragen. Die Norm unterscheidet nicht nach Winter- und Ganzjahresreifen.

Was kostet es, bei Glätte ohne Winterreifen zu fahren?

Nach dem Bußgeldkatalog (Stand 12. August 2026) 60 Euro (Nr. 5a), mit Behinderung eines anderen 80 Euro (Nr. 5a.1), jeweils mit einem Punkt. Ordnet der Halter die Fahrt an oder lässt sie zu, zahlt er 75 Euro (Nr. 213a), ebenfalls mit einem Punkt.

Gilt die Pflicht auch für ausländische Autos?

Der Wortlaut knüpft an das Führen eines Kraftfahrzeugs bei diesen Wetterlagen an. Eine Ausnahme für ausländische Kennzeichen nennt § 2 Abs. 3a StVO nicht.

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