Eine veröffentlichte Liste aller Blitzer in Brandenburg haben wir nicht gefunden. Öffentlich nachlesen kannst du dagegen, wie die Polizei misst: Ein Erlass des Landes und seine Anlage 1 regeln den Abstand zum Schild, die einzelnen Messverfahren und die Ankündigung von Kontrollen, und die Polizei veröffentlicht Ergebnisse ihrer Aktionen. Hier liest du, wer misst, womit, wo die Grenzen liegen und was bekannt ist.
Wer in Brandenburg misst
Der Erlass „Verkehrsüberwachung durch die Polizei“ vom 17. März 2020 (zuletzt geändert durch Erlass vom 18. September 2024) sagt in Nr. 1, die Verkehrsüberwachung erfolge durch das Polizeipräsidium und werde vom Zentraldienst der Polizei mit seiner Zentralen Bußgeldstelle unterstützt. Daneben haben „auch andere Träger von Verkehrsüberwachungsaufgaben“ Kontrollbefugnisse (Nr. 3), genannt werden Ordnungsbehörden, Straßenverkehrsbehörden und das Bundesamt für Güterverkehr. Wie das in der Praxis aussieht, meldete die Polizeidirektion Ost am 13. Oktober 2025: Die Polizeiinspektion Märkisch-Oderland richtete auf rund 75 Kilometern der B 1 zehn Kontrollstellen ein, und der Landkreis Märkisch-Oderland und die Gemeinde Rüdersdorf beteiligten sich mit Geschwindigkeitsmessfahrzeugen.
Nach fünf Stunden zählte die Polizei mehr als 100 Geschwindigkeitsverstöße, die Ergebnisse der Kommunen nicht eingerechnet. Dazu kamen sieben Rotlicht- und 14 Vorfahrtsverstöße. Ein Fahrer nutzte laut Meldung während der Fahrt eine Blitzerwarn-App, „was eine Ordnungswidrigkeit darstellt und ein Bußgeld in Höhe von 75 Euro nach sich zieht“.
Wie Messstellen bestimmt werden
Überwachungsschwerpunkte sind nach Nr. 4 Brennpunkte des Unfallgeschehens und besonders schutzwürdige Bereiche. Anlage 1 nennt als Schwerpunktbereiche unter anderem Unfallhäufungsstellen, das Umfeld von Schulen, Seniorenheimen, Krankenhäusern und Kitas, Straßen mit einer von der Straßenverkehrsbehörde angeordneten Geschwindigkeitsbegrenzung, Durchgangsstraßen ohne Geh- und Radwege, reine Wohngebiete und Baustellen. Zu den geeigneten Messstellen ist, außer bei Handlasermessungen, gemeinsam mit der Zentralen Bußgeldstelle ein Messstellenverzeichnis zu führen und ständig zu aktualisieren. Dass es öffentlich ist, steht dort nicht.
Vor einer Messung ist zu prüfen, ob die Verkehrszeichen ordnungsgemäß aufgestellt und zweifelsfrei erkennbar sind. Beim erstmaligen Einrichten einer Messstelle wird die Beschilderung anhand der verkehrsrechtlichen Anordnung oder des Beschilderungsplans kontrolliert, die Unterlagen kommen ins Messprotokoll. Gemessen wird in der Regel mindestens 150 Meter vom Beginn oder Ende einer Beschränkung oder einer Ortstafel. Kürzer sein darf der Abstand nach Anlage 1 bei stufenweise herabgesetzter Geschwindigkeit (bis auf 50 Meter, wenn die Messstelle nicht im Bereich der ersten Stufe liegt), bei kurzen Streckenverboten an Unfallbrennpunkten oder zum Schutz besonders gefährdeter Verkehrsteilnehmer, etwa auf Schulwegen und in Baustellen, am Ende einer Beschränkung an einem Unfallbrennpunkt und in Zonen mit Geschwindigkeitsbegrenzung (bis auf 20 Meter). Wie andere Länder diesen Abstand regeln, vergleicht der Beitrag zum Abstand zwischen Blitzer und Schild. Das ist eine Vorgabe an die Polizei, keine Zusage für den Einzelfall.
Womit gemessen wird
Die Anlage 1 regelt je Verfahren, wie die Polizei vorgehen soll:
| Verfahren | Was Erlass und Polizei sagen |
|---|---|
| LIDAR (PoliScanSpeed) | Misst bis zu drei Spuren zugleich, unterscheidet nach Pkw und Lkw und dokumentiert Verstöße digital signiert mit Bild. Beweissicherung grundsätzlich durch Frontfoto. |
| Handlaser | Ankommender Verkehr, mindestens zwei Polizeibedienstete. Wer angehalten wird, dem ist anzubieten, die angezeigte Geschwindigkeit abzulesen. |
| Einseitensensor | Vorrangig auf Autobahnen und Außerortsstraßen, besonders in Kurven und Alleen. |
| Videowagen | Weg-Zeit-Berechnung bei gleichbleibendem Abstand; auch Sicherheitsabstände sind auswertbar. |
| Messkabine | Semi-stationär, nur auf Autobahnen an Unfallhäufungsstellen; neue Messstellen muss die Autobahnunfallkommission bestätigen. |
| Brücken | Videobasierte Abstandsmessung, vorrangig auf Autobahnen, zwei geschulte Bedienkräfte. |
| Nachfahren | 20 Prozent vom Tachowert des Polizeifahrzeugs werden abgezogen. |
| Fahrtenschreiber | Nur bei konkretem Verdacht, 6 km/h Abzug. |
Für die Messgeräte gilt außerdem, dass die jeweiligen Verkehrsfehlergrenzen zu beachten sind. Die Abstandsmessung vertieft der Beitrag Abstandsmessung auf der Autobahn. Den Messanhänger der Verkehrspolizei, der „für gewöhnlich vor allem auf den Autobahnen“ steht, setzte sie am 14. und 15. Oktober 2023 erstmals in Potsdam ein, auf einer Tempo-30-Strecke: 723 Verstöße, rund 8 Prozent der vorbeigefahrenen Fahrzeuge. Mehr zu Anhängern steht im Beitrag Blitzer-Anhänger: Was Enforcement-Trailer sind, wer sie einsetzt und wo sie stehen.
Was nach dem Blitz passiert
Laut Polizei werden die Bilder aller Messsysteme mit einer Auswertesoftware mit den Messprotokollen abgeglichen, Beifahrer aus Datenschutzgründen abgedeckt und Fahrerfotos geschärft. Mit dem Kennzeichen läuft eine automatisierte Abfrage der Halterdaten beim Kraftfahrt-Bundesamt. Danach verschickt die Zentrale Bußgeldstelle Fahrerermittlung, Verwarnung oder Anhörung mit Zugangsdaten für ein Bürgerportal, in dem sich das Foto ansehen lässt. Was das Foto zeigt und wie du es einsiehst, erklärt der Beitrag Blitzerfoto: Inhalt, Einsicht und Akte. Das Polizeipräsidium speichert die Daten nach seiner Datenschutzerklärung nur bis zur Übergabe an den Zentraldienst, regelmäßig höchstens drei Werktage.
Aktionen und Zahlen
Die Polizeidirektion Nord beteiligte sich vom 3. bis 9. August 2026 an der bundesweiten ROADPOL-Aktion zu Geschwindigkeits- und Aggressionsdelikten. Sie meldet 177 Beamte an 97 Kontrollpunkten und 19.090 gemessene Fahrzeuge, davon 5.477 mit Handlasergeräten und 13.613 Durchfahrten durch automatisierte Technik. 782 Verstöße wurden geahndet, 270 bei Anhaltekontrollen und 512 durch Messanlagen, also etwa 4 Prozent der gemessenen Fahrzeuge. Das sind Zahlen einer Aktionswoche in einer Direktion, kein Landesergebnis.
Blitzer in Brandenburg aktuell und heute
Nach Nr. 11 des Erlasses können Maßnahmen, vor allem Schwerpunktaktionen, „ohne konkrete Angaben über Zeit und Ort“ angekündigt werden. Eine laufende Liste der Messstellen fanden wir nicht. Deshalb nennt dieser Beitrag keinen Standort von heute und verspricht keine Live-Daten.
Was § 23 StVO sagt und was BlitzBuddy zeigt
§ 23 Absatz 1c StVO verbietet dem Fahrer, ein technisches Gerät zu betreiben oder betriebsbereit mitzuführen, das dafür bestimmt ist, Verkehrsüberwachungsmaßnahmen anzuzeigen oder zu stören. Bei anderen technischen Geräten, die neben anderen Nutzungszwecken auch dazu verwendet werden können, dürfen die entsprechenden Gerätefunktionen nicht verwendet werden. Das gilt in Brandenburg wie überall. Wie das Nachbarland Schleswig-Holstein seine Regeln beschreibt, steht im Beitrag zu Blitzern in Schleswig-Holstein.
Die festen Blitzer in BlitzBuddy stammen aus OpenStreetMap, von Lufop.net und aus öffentlichen Listen von Behörden. Vor mobilen Blitzern, Blitzer-Anhängern und Videofahrzeugen warnt die App nicht, und Abschnittskontrollen zeigt sie in Deutschland nicht an. BlitzBuddy ist kostenlos, ohne Werbung und ohne Abo. Die App gibt es für das iPhone; die Android-Version folgt bald. Weitere Beiträge findest du im Themenbereich Blitzer mit allen Beiträgen.
Quellen
- Verkehrsüberwachung durch die Polizei, Erlass vom 17. März 2020, zuletzt geändert durch Erlass vom 18. September 2024, Brandenburgisches Vorschriftensystem
- Anlage 1: Geschwindigkeitsüberwachung / Abstandsüberwachung, Brandenburgisches Vorschriftensystem (pdf)
- PoliScanSpeed, Polizei Brandenburg, 25. August 2015
- Videowagen, Polizei Brandenburg, 25. August 2015
- Bearbeitung von Geschwindigkeitsverstößen, Bußgeldstelle, Polizei Brandenburg, 31. März 2021
- Datenschutzerklärung nach § 55 BDSG zu Verkehrsüberwachungsmaßnahmen, Polizeipräsidium Brandenburg, 9. Juni 2023
- Blitzeranhänger der Polizei erstmals im innerstädtischen Bereich eingesetzt, Polizeidirektion West, 18. Oktober 2023
- Alle drei Minuten eine Geschwindigkeitsüberschreitung, Polizeidirektion Ost, 13. Oktober 2025
- ROADPOL-Ergebnisse, Polizeidirektion Nord, 10. August 2026
- Straßenverkehrs-Ordnung (StVO), § 23, Bundesministerium der Justiz, Stand: zuletzt geändert 30. Januar 2026
- Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende
Quellen gelesen am 16. Oktober 2026.
Häufige Fragen
Wer darf in Brandenburg blitzen?
Die Polizei des Landes mit ihrer Zentralen Bußgeldstelle. Der Erlass nennt daneben Ordnungsbehörden, die Verkehrsüberwachung wahrnehmen. Bei einer Kontrolle auf der B 1 am 13. Oktober 2025 beteiligten sich der Landkreis Märkisch-Oderland und die Gemeinde Rüdersdorf mit Messfahrzeugen.
Wie weit hinter dem Schild wird in Brandenburg gemessen?
In der Regel mindestens 150 Meter hinter dem Beginn oder vor dem Ende einer Beschränkung. Ausnahmen nennt der Erlass, in Zonen mit Geschwindigkeitsbegrenzung etwa bis auf 20 Meter. Das ist eine Vorgabe an die Polizei, keine Zusage für den Einzelfall.
Wo stehen die Blitzer in Brandenburg heute?
Eine veröffentlichte Liste der Messstellen haben wir am 16. Oktober 2026 nicht gefunden. Der Erlass verlangt ein Messstellenverzeichnis, nennt es aber nicht als öffentlich. Ankündigungen sollen ohne Zeit und Ort erfolgen.
Wie lange speichert die Polizei in Brandenburg Blitzerdaten?
Nach ihrer Datenschutzerklärung zu Verkehrsüberwachungsmaßnahmen speichert das Polizeipräsidium die Daten nur bis zur Übergabe an die Zentrale Bußgeldstelle, regelmäßig nicht mehr als drei Werktage. Dort läuft dann das Bußgeldverfahren.