In Österreich setzt die Behörde Verkehrsstrafen innerhalb von Spannen fest, die das Gesetz nennt: § 99 der Straßenverkehrsordnung 1960 (StVO) legt für Gruppen von Verstößen Mindest- und Höchstbeträge fest, aber keinen Regelsatz je Verstoß wie die deutsche Bußgeldkatalog-Verordnung. Im Voraus festgesetzte Beträge gibt es nur im abgekürzten Verfahren: bis 90 Euro per Organstrafverfügung vor Ort, bis 365 Euro per Anonymverfügung. Hier stehen die Spannen nach dem Gesetzestext vom 17. Oktober 2026, die Verfahren, das Vormerksystem und die Vollstreckung in Deutschland. Die Tempostrafen im Detail erklärt Blitzer in Österreich.
Bußgeldkatalog Österreich: Spannen statt Regelsätze
Die deutsche Bußgeldkatalog-Verordnung ordnet jedem Verstoß einen Regelsatz zu. In Österreich nennt das Gesetz eine Spanne oder Obergrenze, und die Behörde bemisst die Strafe darin. Feste Beträge im Voraus erlaubt das Verwaltungsstrafgesetz (VStG) nur im beschleunigten Verfahren, für Tatbestände, die eine Verordnung bestimmt: § 50 bis 90 Euro, § 49a bis 365 Euro. Beide Paragrafen gelten seit dem 17. Oktober 2026 in neuer Fassung (BGBl. I Nr. 86/2026); Höchstbeträge und Fristen blieben gleich. Die Verordnungen mit den Beträgen je Tatbestand haben wir nicht ausgewertet; Einzelbeträge stehen hier nur, wo eine amtliche Seite sie nennt.
Die Spannen in § 99 StVO 1960
Die Fassung vom 17. Oktober 2026 gilt seit dem 30. Juli 2026 (BGBl. I Nr. 62/2026). Die Tabelle gibt Beispiele aus dem Gesetzestext wieder, keine vollständige Liste:
| Absatz | Beispiele aus dem Text | Geldstrafe |
|---|---|---|
| Abs. 1 | Fahrzeug lenken ab 1,6 Promille (0,8 mg/l Atemluft); Verweigerung der Atemluftprobe | 1.600 bis 5.900 Euro |
| Abs. 1a | 1,2 bis unter 1,6 Promille | 1.200 bis 4.400 Euro |
| Abs. 1b | Fahren in einem durch Alkohol oder Suchtgift beeinträchtigten Zustand | 800 bis 3.700 Euro |
| Abs. 2 | Verstoß gegen die Pflichten nach einem Unfall (§ 4 Abs. 1 und 2); Verstoß unter besonders gefährlichen Verhältnissen oder mit besonderer Rücksichtslosigkeit | 36 bis 2.180 Euro |
| Abs. 2c | Gefährdung am Schutzweg; zeitlicher Sicherheitsabstand von 0,2 bis unter 0,4 Sekunden; Rot mit Nötigung anderer; Pannenstreifen oder Rettungsgasse mit Behinderung | 72 bis 2.180 Euro |
| Abs. 2d bis 2f | mehr als 30 km/h zu schnell; mehr als 40 km/h im Ortsgebiet oder 50 km/h außerhalb; mehr als 60 km/h im Ortsgebiet und 70 km/h außerhalb | 200 bis 5.000, 400 bis 6.000, 500 bis 7.500 Euro |
| Abs. 3 | alle übrigen Verstöße gegen die StVO, die nicht unter die anderen Absätze fallen | bis 726 Euro |
Bis zum 29. Juli 2026 nannten Abs. 2d und 2e noch 150 bis 5.000 Euro und 300 bis 5.000 Euro. Für den Fall, dass die Geldstrafe uneinbringlich ist, sieht das Gesetz jeweils eine Ersatzfreiheitsstrafe vor.
Drei abgekürzte Verfahren
oesterreich.gv.at beschreibt auf der Seite zum abgekürzten Verwaltungsstrafverfahren (Stand 1. Juli 2026) drei Wege, die für dich als Fahrer sehr verschieden aussehen:
| Verfahren | Höhe | Wie es abläuft |
|---|---|---|
| Organstrafverfügung („Organmandat“) | bis 90 Euro | Ein Polizei- oder Aufsichtsorgan hebt die Strafe vor Ort ein, etwa beim Falschparken oder beim Telefonieren ohne Freisprecheinrichtung. Wird nicht binnen zwei Wochen gezahlt, wird sie gegenstandslos, es folgt eine Anzeige, und die Strafe kann höher ausfallen. |
| Anonymverfügung | bis 365 Euro | Die Behörde schickt sie in der Regel an den Zulassungsbesitzer, etwa bei geringen Geschwindigkeitsüberschreitungen oder Rotlicht. Nach vier Wochen ohne Zahlung wird sie gegenstandslos, und der Täter wird ausgeforscht, etwa per Lenkererhebung. |
| Strafverfügung | bis 600 Euro | Richtet sich immer an eine natürliche Person und kommt per RSb-Brief, etwa bei höheren Geschwindigkeitsüberschreitungen. Ohne Einspruch wird sie rechtskräftig und kann vollstreckt werden. |
Ist eine Anonymverfügung gegenstandslos geworden, kann die Behörde eine Strafverfügung erlassen oder ein ordentliches Verwaltungsstrafverfahren einleiten; die Strafe kann dann höher sein. Bei einer Lenkererhebung hat der Zulassungsbesitzer laut oesterreich.gv.at zwei Wochen Zeit, den Lenker zu benennen.
Beispiele aus dem Alltag: Handy, Alkohol, Abstand
Zum Handy nennt oesterreich.gv.at (Stand 12. Januar 2026) ein Organmandat von 100 Euro und als Rechtsgrundlage § 102 Abs. 3 KFG. Das liegt über den 90 Euro des § 50 VStG, der nur gilt, „soweit die Verwaltungsvorschriften nicht anderes bestimmen“. Wird die Zahlung verweigert, verhängt die Behörde eine Geldstrafe bis zu 140 Euro. Für Alkohol von 0,5 bis unter 0,8 Promille nennt die Seite zu den Vormerkdelikten 300 bis 3.700 Euro.
Beim Abstand unterscheiden sich zwei amtliche Angaben. § 99 Abs. 2c Z 4 StVO nennt für einen Sicherheitsabstand von 0,2 bis unter 0,4 Sekunden 72 bis 2.180 Euro, in der Fassung vom 17. Oktober 2026 wie schon in der Fassung, die seit dem 1. März 2024 galt. Die Seite Vormerkdelikte auf oesterreich.gv.at (Letzte Aktualisierung 1. Januar 2026) nennt für dasselbe Delikt „bis 726 Euro“, den Betrag des § 99 Abs. 3. Wir folgen dem Gesetzestext. Wie Deutschland den Abstand am halben Tachowert misst, zeigt Abstandsmessung auf der Autobahn; die Euro-Stufen dazu stehen in Bußgelder beim Blitzer.
Vormerksystem: Österreichs Punkte
Statt eines Punktekontos wie in Flensburg hat Österreich ein Vormerksystem. oesterreich.gv.at spricht von 14 „risikobehafteten Vormerkdelikten“ (Seite vom 9. April 2025); die Liste steht in § 30a Abs. 2 des Führerscheingesetzes (Fassung ab 1. September 2026), etwa Rot mit Nötigung anderer, Rettungsgasse mit Behinderung und der Sicherheitsabstand von 0,2 bis unter 0,4 Sekunden. Beim ersten Delikt kommt eine Vormerkung für zwei Jahre ins Führerscheinregister, beim zweiten innerhalb von zwei Jahren ordnet die Behörde eine besondere Maßnahme an, etwa eine Nachschulung, beim dritten wird der Führerschein für mindestens drei Monate entzogen. Das System betrifft laut oesterreich.gv.at alle Lenker in Österreich unabhängig vom Wohnsitz; ausländische Lenker bekommen beim dritten Delikt ein Fahrverbot in Österreich. Die Geldstrafe ist in jedem Fall zu zahlen.
Wenn die Strafe nach Deutschland kommt
Das Strafverfahren läuft im Staat, in dem der Verstoß geschah; eingetrieben wird erst eine rechtskräftige Strafe. Für Deutschland und Österreich gilt ein eigener Vertrag über Amts- und Rechtshilfe in Verwaltungssachen von 1988, den zwei amtliche Seiten mit verschiedenen Zahlen beschreiben:
| Quelle | Was sie zum Vertrag schreibt |
|---|---|
| oesterreich.gv.at, Verkehrsstrafen im Ausland (Stand 12. Januar 2026) | Verkehrsstrafen ab 25 Euro, die in einem der beiden Staaten rechtskräftig verhängt wurden, können im anderen eingetrieben werden; für andere EU-Staaten gilt eine Grenze von 70 Euro einschließlich Verfahrenskosten |
| Bundesamt für Justiz, FAQ (gelesen am 17. Oktober 2026) | Der Vertrag vom 31. Mai 1988 gilt für behördliche Entscheidungen bei Beträgen unter und über 70 Euro gleichermaßen, geht dem EU-Rahmenbeschluss vor, und die Behörden verkehren direkt miteinander; eine Untergrenze nennt das Amt nicht |
Wie es mit Strafen aus Italien aussieht, wo das Bundesamt für Justiz zuständig ist, steht in Bußgeld aus Italien.
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Quellen
- Straßenverkehrsordnung 1960, § 99 Strafbestimmungen, tagesaktuelle Fassung (gültig ab 30.07.2026), Rechtsinformationssystem des Bundes (RIS)
- Straßenverkehrsordnung 1960, § 99, Fassung vom 01.05.2026 bis 29.07.2026, RIS
- Straßenverkehrsordnung 1960, § 99, Fassung vom 01.03.2024 bis 30.04.2026, RIS
- Verwaltungsstrafgesetz 1991, § 49a Anonymverfügung, RIS (gültig ab 17.10.2026)
- Verwaltungsstrafgesetz 1991, § 50 Organstrafverfügung, RIS (gültig ab 17.10.2026)
- Führerscheingesetz, § 30a Vormerksystem, RIS (gültig ab 01.09.2026)
- Abgekürztes Verwaltungsstrafverfahren, oesterreich.gv.at, Letzte Aktualisierung 1. Juli 2026
- Handyverbot am Steuer, oesterreich.gv.at, Letzte Aktualisierung 12. Januar 2026
- Vormerkdelikte, oesterreich.gv.at, Letzte Aktualisierung 1. Januar 2026
- Allgemeines zum Vormerksystem, oesterreich.gv.at, Letzte Aktualisierung 9. April 2025
- Verkehrsstrafen im Ausland, oesterreich.gv.at, Letzte Aktualisierung 12. Januar 2026
- Häufig gestellte Fragen, Geldbußen und Geldstrafen EU, Bundesamt für Justiz
Quellen gelesen am 17. Oktober 2026.
Häufige Fragen
Gibt es einen Bußgeldkatalog für Österreich 2026?
Nicht in der Form der deutschen Bußgeldkatalog-Verordnung mit einem Regelsatz je Verstoß. § 99 StVO 1960 nennt Spannen, in denen die Behörde die Strafe festsetzt. Im Voraus festgesetzte Beträge gibt es für Organstrafverfügung (bis 90 Euro) und Anonymverfügung (bis 365 Euro).
Was kostet Handy am Steuer in Österreich?
Nach oesterreich.gv.at (Stand 12. Januar 2026) ein Organmandat von 100 Euro. Wird die Zahlung verweigert, geht eine Anzeige an die Behörde, die eine Geldstrafe bis zu 140 Euro verhängt.
Muss ich eine Strafe aus Österreich in Deutschland bezahlen?
Rechtskräftige Strafen können in Deutschland eingetrieben werden. oesterreich.gv.at nennt dafür den Vertrag mit Deutschland von 1988 und Strafen ab 25 Euro. Das Bundesamt für Justiz schreibt, der Vertrag gelte bei Beträgen unter und über 70 Euro und gehe dem EU-Rahmenbeschluss vor.
Was ist der Unterschied zwischen Organmandat und Anonymverfügung?
Das Organmandat (bis 90 Euro) stellt ein Polizei- oder Aufsichtsorgan vor Ort aus. Die Anonymverfügung (bis 365 Euro) schickt die Behörde in der Regel an den Zulassungsbesitzer, etwa nach einer Radarmessung.
Gilt das Vormerksystem auch für deutsche Fahrer?
Ja. Nach oesterreich.gv.at betrifft es alle Lenker in Österreich unabhängig vom Wohnsitz. Beim dritten Vormerkdelikt wird gegen ausländische Lenker ein Fahrverbot in Österreich verhängt.