Verkehr und Sicherheit

Blitzer im Saarland: Was die Polizei ankündigt und wer misst

Wo die saarländische Polizei ihre Geschwindigkeitskontrollen ankündigt, wer im Saarland misst und was der BGH 2026 zu Messungen ohne Rohmessdaten entschied.

BlitzBuddy8 Min. Lesezeit
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Für Blitzer im Saarland gibt es eine amtliche Ankündigung: Die saarländische Polizei schreibt auf ihrer eigenen Seite, an welchen Tagen sie auf welchen Straßen die Geschwindigkeit kontrolliert. Als wir die Seite am 16. Oktober 2026 lasen, reichte die Liste vom 12. bis 25. Oktober 2026. Sie nennt Straßen, Abschnitte oder Orte, aber keine Uhrzeit und keinen genauen Messpunkt, und die Polizei weist selbst darauf hin, dass weitere Kontrollen möglich sind. Dieser Beitrag nennt keine Standorte von heute. Er erklärt, wie du die amtliche Liste liest, wer im Saarland misst und was der Bundesgerichtshof 2026 zu Messungen ohne gespeicherte Rohmessdaten entschieden hat.

Die amtliche Ankündigung der Polizei

Die Seite heißt „Geschwindigkeitskontrollen im Saarland“ und trägt die Überschrift „Wann und wo blitzt es im Saarland?“. Über dem Text steht der Vermerk „Standardartikel vom 13.04.2026“, die Einträge selbst reichten am 16. Oktober 2026 vom 12. bis 25. Oktober. Daneben veröffentlicht die Polizei eine Meldung für die Kalenderwoche mit dem Titel „Ankündigung der Kontrollörtlichkeiten und -zeiten“, am 16. Oktober 2026 die für die 42. Kalenderwoche (12. bis 18. Oktober 2026).

Für jeden Tag stehen ein bis drei Einträge in der Liste. Wir geben keinen davon wieder, denn sie gelten nur für die jeweilige Woche. Was die Einträge enthalten, zeigt die Tabelle:

AngabeIn den gelesenen Listen
Datumja, je Tag
Straßemeist: Autobahn, Bundesstraße oder Landesstraße mit Nummer; manche Einträge nennen nur einen Ort
Abschnittbei Autobahnen zwischen Anschlussstellen, Dreiecken, Kreuzen oder einer Landesgrenze, sonst oft zwischen zwei Orten; nicht bei jedem Eintrag
Uhrzeitnein, obwohl der Titel der Wochenmeldung „Zeiten“ nennt
Genauer Messpunktnein
Gerätnein

Die Polizei fügt jeder Liste einen Hinweis an. Bei den angekündigten Messstellen handle es sich um Unfallörtlichkeiten, die nach Unfallhäufung, Unfallfolgen und Unfallursachen ausgewählt wurden. Über die angekündigten Kontrollen hinaus seien weitere Geschwindigkeitskontrollen möglich, und aus einsatztechnischen Gründen könnten auch angekündigte Kontrollen entfallen.

Die Praxis ist nicht neu. In ihrer Antwort auf eine Landtagsanfrage vom 30. April 2013 schrieb die Landesregierung, die Vollzugspolizei kündige seit 1998 etwa 60 bis 70 Prozent ihrer Geschwindigkeitskontrollen mit einem Wochenplan an, wie die Polizeien in den meisten anderen Ländern auch. Sie verzichte dabei bewusst auf punktgenaue Angaben zu Orten und Zeiten und beschränke sich auf den Tag und die Ortsangabe im weiteren Sinne. Ein Teil der Kontrollen blieb damit unangekündigt.

Wer im Saarland misst

Die Landesregierung beschrieb 2013 zwei Wege. Die Daten stammen von damals; neuere Zahlen haben wir nicht gefunden.

StelleStand 30. April 2013
Vollzugspolizeiplant und führt die Geschwindigkeitsüberwachung durch; 2010 bis 2012 im Jahresdurchschnitt 4.984 Geschwindigkeitskontrollen, davon 19,62 Prozent auf Bundesautobahnen und insgesamt 45,43 Prozent außerhalb geschlossener Ortschaften
Ortspolizeibehördenauf Antrag vom Innenministerium ermächtigt, nur innerorts; 20 Ortspolizeibehörden, 4.395 Kontrollen im Jahresdurchschnitt (zusammen mit den Hilfspolizeibeamten des Saarpfalz-Kreises)
Stationäre Gerätedie Vollzugspolizei hatte keine; bekannt waren zwei Anlagen der Ortspolizeibehörde Püttlingen

Die Rechtsgrundlage für die kommunale Seite, § 80 Absatz 4 des Saarländischen Polizeigesetzes, nennt auch eine Seite des Innenministeriums vom 5. März 2024. Dort geht es darum, dass das Ministerium auf Antrag die Verkehrsüberwachung mehrerer Ortspolizeibehörden auf eine einzige übertragen kann. Wie viele Gemeinden heute messen, steht dort nicht. Wie die Zuständigkeiten in anderen Ländern verteilt sind, vergleicht der Beitrag wer in Deutschland die Geschwindigkeit überwacht. Wer auf Autobahnen misst und womit, steht im Beitrag über Blitzer auf der Autobahn.

Messungen ohne Rohmessdaten: vom Saarland zum BGH

Das Saarland hatte bei Blitzermessungen seit 2019 eine eigene Rechtslage. Das Saarländische Oberlandesgericht beschrieb sie in seiner Pressemitteilung vom 22. April 2025 so:

  • Der Verfassungsgerichtshof des Saarlandes entschied am 5. Juli 2019 (Lv 7/17), dass es an einem fairen rechtsstaatlichen Verfahren fehlt, wenn die bei einer Messung erzeugten und verarbeiteten Daten (Rohmessdaten) nicht gespeichert werden und dem Betroffenen dadurch im Einzelfall eine nachträgliche Überprüfung des Messergebnisses nicht möglich ist.
  • Saarländische Gerichte durften daher einen Betroffenen, der sich gegen das Messergebnis wendet, in einem solchen Fall nicht allein auf Grundlage des Messergebnisses verurteilen. Für Gerichte anderer Länder galt diese Rechtsprechung nicht.
  • Nach Angaben des Gerichts speichert, soweit ersichtlich, keines der in Deutschland amtlich zugelassenen Messsysteme diese Rohmessdaten.
  • Das Oberlandesgericht legte dem Bundesgerichtshof die Frage deshalb mit Beschluss vom 10. April 2025 vor. Es verwies darauf, dass die Bindung an die Entscheidung des Verfassungsgerichtshofs erst durch eine abweichende spätere Entscheidung eines Bundesgerichts oder des Bundesverfassungsgerichts entfällt.

Der Bundesgerichtshof hat die Frage mit Beschluss vom 2. Juli 2026 beantwortet (4 StR 235/25). Der Leitsatz lautet: „Die Nichtspeicherung der zur Messwertbildung erfassten und verarbeiteten Daten (sogenannte Rohmessdaten) einer mittels standardisierten Messverfahrens erfolgten Geschwindigkeitsmessung verstößt nicht gegen die Grundsätze des fairen Verfahrens und hat deshalb kein Beweisverwertungsverbot hinsichtlich des Ergebnisses der Messung zur Folge.“ Ausgangspunkt war ein Verfahren vor dem Amtsgericht St. Ingbert, in dem mit einem mobilen Gerät gemessen worden war, das die Rohmessdaten nicht speichert. Der Generalbundesanwalt hatte beantragt, die Vorlegungsfrage zu verneinen.

Wie saarländische Gerichte den Beschluss in anderen Verfahren anwenden, steht in den beiden Texten nicht. Das ist eine Zusammenfassung der beiden Texte, keine Rechtsberatung. Wie die Messtoleranz bei amtlichen Geräten abgezogen wird, erklärt der Beitrag Blitzer-Toleranz: wie viel vom Messwert abgezogen wird.

Blitzer im Saarland aktuell und heute

Wer „Blitzer heute“ im Saarland sucht, findet die amtliche Ankündigung auf der Seite der Polizei (verlinkt unter Quellen). Eine Abschrift wäre nach wenigen Tagen überholt, deshalb übernehmen wir die Einträge nicht. Drei Dinge gehören zum Lesen der Liste:

  • Sie nennt Unfallörtlichkeiten, keine vollständige Übersicht der Messstellen.
  • Nach dem Hinweis der Polizei sind weitere Kontrollen möglich, und angekündigte können entfallen.
  • Kontrollen auf Autobahnen erscheinen als Abschnitt zwischen Anschlussstellen, Dreiecken oder einer Landesgrenze. Wo in diesem Abschnitt gemessen wird, steht nicht dabei.

Feste Anlagen nennt die Seite nicht. Eine Gesamtliste der stationären Blitzer im Saarland haben wir weder bei der Polizei noch beim Land gefunden; 2013 kannte die Landesregierung zwei Anlagen der Ortspolizeibehörde Püttlingen. Wie ein anderes Land seine festen und mobilen Anlagen zählt, zeigt der Beitrag zu Blitzern in Berlin.

Was § 23 StVO sagt und was BlitzBuddy zeigt

§ 23 Absatz 1c StVO verbietet dem Fahrer, ein technisches Gerät zu betreiben oder betriebsbereit mitzuführen, das dafür bestimmt ist, Verkehrsüberwachungsmaßnahmen anzuzeigen oder zu stören. Bei anderen technischen Geräten, die neben anderen Nutzungszwecken auch dazu verwendet werden können, dürfen die entsprechenden Gerätefunktionen nicht verwendet werden. Die Regel gilt im Saarland wie im übrigen Bundesgebiet; den Wortlaut und die Folgen fasst der Beitrag Blitzer in Deutschland zusammen.

Die festen Blitzer in BlitzBuddy stammen aus OpenStreetMap, von Lufop.net und aus öffentlichen Listen von Behörden. Vor mobilen Blitzern, Blitzer-Anhängern und Videofahrzeugen warnt die App nicht, und Abschnittskontrollen zeigt sie in Deutschland nicht an. BlitzBuddy ist kostenlos, ohne Werbung und ohne Abo. Die App gibt es für das iPhone; die Android-Version folgt bald. Weitere Beiträge findest du im Themenbereich Blitzer mit allen Beiträgen.

Quellen

Quellen gelesen am 16. Oktober 2026.

Häufige Fragen

Wo finde ich die Blitzer im Saarland heute?

Die saarländische Polizei kündigt ihre Kontrollen auf der Seite „Geschwindigkeitskontrollen im Saarland“ an. Sie nennt je Tag Straßen, Abschnitte oder Orte, keine Uhrzeiten und keine genauen Messpunkte, und weist darauf hin, dass weitere Kontrollen möglich sind und angekündigte entfallen können.

Wird im Saarland jede Geschwindigkeitskontrolle angekündigt?

Nein. Die Polizei schreibt auf ihrer Seite, über die angekündigten Kontrollen hinaus seien weitere möglich. Nach einer Antwort der Landesregierung von 2013 kündigte sie damals etwa 60 bis 70 Prozent ihrer Kontrollen an.

Wer darf im Saarland Geschwindigkeit messen?

Die Polizei und, auf Antrag und nur innerorts, Ortspolizeibehörden, denen das Innenministerium die Befugnis nach § 80 Absatz 4 des Saarländischen Polizeigesetzes überträgt. So beschrieb es die Landesregierung 2013; neuere Zahlen haben wir nicht gefunden.

Was hat der BGH 2026 zu Blitzermessungen ohne Rohmessdaten entschieden?

Mit Beschluss vom 2. Juli 2026 (4 StR 235/25) entschied der Bundesgerichtshof, dass die Nichtspeicherung der Rohmessdaten bei einem standardisierten Messverfahren nicht gegen die Grundsätze des fairen Verfahrens verstößt und kein Beweisverwertungsverbot zur Folge hat. Das ist eine Zusammenfassung, keine Rechtsberatung.

Darf ich im Saarland eine Blitzer-App nutzen?

Als Fahrer nicht während der Fahrt. Nach § 23 Absatz 1c StVO dürfen bei technischen Geräten wie einem Handy die Funktionen, die Verkehrsüberwachungsmaßnahmen anzeigen, nicht verwendet werden. Das gilt in jedem Bundesland.

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